Was die Norwood-Stadien 1 bis 7 beschreiben
O. T. Norwood teilte den Haarausfall bei Männern 1975 in sieben Stadien ein, nach einer Untersuchung an 1.000 erwachsenen weißen Männern. In Befunden und Angeboten stehen sie oft als römische Zahlen von I bis VII. Die Einteilung reicht vom ersten Zurückweichen des Haaransatzes über Geheimratsecken bis zur Halbglatze mit Haarkranz.
- Stadium 1: Die Haarlinie an der Stirn ist nicht oder kaum zurückgewichen.
- Stadium 2: Die Haarlinie weicht an den Schläfen zurück, es entstehen Geheimratsecken.
- Stadium 3: Die Geheimratsecken sind tief. Kommt eine lichte Stelle am Wirbel dazu, heißt es 3 Vertex.
- Stadium 4: Haarlinie und Wirbel sind stärker betroffen. Dazwischen bleibt ein durchgehendes Haarband.
- Stadium 5: Das Haarband zwischen Stirn und Wirbel wird schmal.
- Stadium 6: Stirnbereich und Wirbel gehen ineinander über, das Haarband ist verschwunden.
- Stadium 7: Es bleibt ein hufeisenförmiger Haarkranz an Hinterkopf und Seiten, der selbst dünner werden kann.
Die Einteilung ist eine Verständigungshilfe und keine Messung. Der Verband Deutscher Haarchirurgen nennt für kein Stadium eine feste Zahl an Haarwurzelgruppen. Das sind kleine Bündel aus meist ein bis vier, selten fünf Haaren, die bei der Operation einzeln verpflanzt werden. Der Verband gibt nur Spannen an: 500 bis 1.500 für 50 Quadratzentimeter kahle Fläche und 1.000 bis 3.000 für 100 Quadratzentimeter. Zwei Männer im selben Stadium können deshalb sehr unterschiedlich viele brauchen. Wer sein Stadium online bestimmt und daraus eine Zahl ableitet, überspringt die Untersuchung, auf die es ankommt.
So ordnen Sie sich in die Norwood-Stadien ein
Schauen Sie im Spiegel auf zwei Stellen: die Haarlinie an Stirn und Schläfen und den Wirbel am Oberkopf. Vergleichen Sie beides mit den sieben Stadien. Ein Foto von vorn, von oben und von der Seite hilft dabei, und Fotos aus früheren Jahren zeigen, wie schnell es voranging.
Das Ergebnis ist eine grobe Einordnung, keine Diagnose. Ähnlich aussehender Haarausfall kann andere Ursachen haben, etwa eine Erkrankung oder einen Mangel. Ob es erblicher Haarausfall ist, stellt eine Hautärztin fest.
Wie wird Haarausfall bei Frauen eingeteilt?
Bei Frauen verläuft erblicher Haarausfall anders. Die Haarlinie an der Stirn bleibt meist erhalten, dafür wird das Haar über dem Scheitel dünner. Dafür veröffentlichte E. Ludwig 1977 eine eigene Einteilung mit drei Graden. Frauen mit dem seltenen männlichen Muster werden nach Norwood eingeordnet.
Für eine Transplantation nennt der Verband Deutscher Haarchirurgen bei Frauen die Grade 2 und 3 der Einteilung nach Ludwig sowie das männliche oder ein frontales Muster. Bei starkem Haarausfall und Zeichen wie unregelmäßiger Regel, Akne oder verstärkter Körperbehaarung prüft die Ärztin zusätzlich Hormonwerte im Blut.
Welche Formen von Haarausfall es gibt
Eine Haartransplantation verpflanzt Haare vom Hinterkopf in kahle Stellen. Diese Haare reagieren nicht auf das Hormon DHT und wachsen deshalb am neuen Ort weiter. Das funktioniert nur, wenn der Haarausfall dauerhaft ist und nicht von einer Ursache kommt, die den ganzen Kopf betrifft. Der Verband Deutscher Haarchirurgen verlangt deshalb vor jedem Eingriff die Sicherheit, dass der Haarausfall bleibt. Er kann erblich bedingt sein, aus einer ausgeheilten Vernarbung stammen oder angeboren sein.
Der häufigste Fall ist erblicher Haarausfall. Mit zunehmendem Alter sind nach der europäischen Leitlinie bis zu 80 Prozent der weißen Männer und 42 Prozent der Frauen betroffen. Das Gesundheitsportal des Bundes nennt niedrigere Zahlen, bis zu 70 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen. Die Angaben unterscheiden sich je nach Quelle. Die Ursache ist eine geerbte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegen DHT. Nicht jeder ist für eine Transplantation geeignet, etwa wegen medizinischer Gründe, unrealistischer Erwartungen oder zu wenig Haar am Hinterkopf. Dann führt eine verantwortungsvolle Ärztin keine Transplantation durch.
Nur bei erblichem Haarausfall und bei stabilen Narben kommt eine Transplantation in der Regel infrage.
| Form | Woran man sie erkennt | Ursache | Transplantation möglich? |
|---|---|---|---|
| Erblicher Haarausfall | Männer: Haarlinie weicht zurück, Wirbel lichtet sich. Frauen: Haar über dem Scheitel wird dünn. | geerbte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegen DHT | Ja, bei genug Haar am Hinterkopf (Männer Stadium 2 bis 7, Frauen Grad 2 bis 3) |
| Gleichmäßiger Haarausfall am ganzen Kopf | Gleichmäßiger Verlust, meist einige Monate nach einem Auslöser | Fieber, Operation, Geburt, bestimmte Medikamente, Eisenmangel, Schilddrüse, Stress | Nein, zuerst wird die Ursache behandelt |
| Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) | runde, scharf begrenzte kahle Stellen | Erkrankung, bei der sich das Abwehrsystem gegen den eigenen Körper richtet | Nein, die Behandlung folgt einer eigenen Leitlinie der Hautärzte |
| Vernarbender Haarausfall, aktiv | Rötung, Schuppung, Narben, zerstörte Haarwurzeln | entzündliche Hauterkrankungen | Nein, solange die Entzündung aktiv ist |
| Narben nach Unfall, Verbrennung, Operation oder Bestrahlung | stabile Narbe ohne Haare | Gewebeschaden | Ja, nach der Leitlinie des Verbands möglich |
| Haarausfall durch Zug | dünnes Haar dort, wo Zöpfe oder Extensions ziehen | dauernder Zug | Nur wenn die Haarwurzeln dauerhaft verloren sind, zuerst muss der Zug aufhören |
Gleichmäßiger Haarausfall durch Eisenmangel oder eine Schilddrüsenerkrankung sieht nach dünnem Haar aus, wird aber durch eine Transplantation nicht besser. Die verpflanzten Haare sind derselben Ursache ausgesetzt. Ein seriöses Angebot kommt erst, nachdem solche Ursachen ausgeschlossen sind.
Welche Untersuchungen die Hautärztin macht
Bei typischem Erscheinungsbild ist die Diagnose einfach. Nach dem Gesundheitsportal des Bundes reichen die Frage nach Haarausfall in der Familie, das typische Muster und die Einordnung nach Norwood. Weitere Tests sind dann nicht nötig. Erst bei Verdacht auf andere Ursachen folgen Blut- und Hormonwerte. Für eine Transplantation kommen Messungen dazu, die der Verband Deutscher Haarchirurgen verlangt.
- Gespräch: Wann begann der Haarausfall, wie verläuft er, wer in der Familie hat Haare verloren? Dazu kommen Fragen nach Hauterkrankungen, Medikamenten, Allergien und Vorerkrankungen.
- Blick auf die Kopfhaut: Muster, Narben, Hautbeschaffenheit, Elastizität und der Zustand am Hinterkopf.
- Zupftest: Die Ärztin zieht an einem Büschel Haare. Bleiben mehr als 4 bis 6 Haare hängen, spricht das für aktiven, oft gleichmäßigen Haarausfall.
- Haarwurzeln unter dem Mikroskop: Die Ärztin beurteilt Haarwurzeln und Wachstumsphasen. Bei unklarem Haarausfall kann eine Gewebeprobe der Kopfhaut folgen.
- Messung am Hinterkopf: Die Praxis zählt, wie viele Haarwurzelgruppen je Quadratzentimeter dort stehen, und fotografiert die Ausgangslage. Der Verband verlangt das vor dem Eingriff.
Die Messung am Hinterkopf unterscheidet eine Untersuchung von einem Online-Angebot. Sie zeigt, wie viele Haarwurzelgruppen die Ärztin entnehmen kann, ohne den Hinterkopf sichtbar auszudünnen. Ein Angebot nach Fotos per Messenger kann das nicht leisten, die Zahl darin ist eine Schätzung und keine Diagnose.
Wann Sie zur Hautärztin gehen sollten
Gehen Sie zur Hautärztin, bevor Sie ein Angebot für eine Transplantation annehmen. Das gilt erst recht, wenn Sie über längere Zeit mehr als 100 Haare am Tag verlieren, runde kahle Stellen bekommen oder die Kopfhaut juckt oder schuppt. Auch wenn der Haarausfall wenige Monate nach einer Krankheit, einer Operation, einer Geburt oder einem neuen Medikament begann, gehört er zuerst zur Hautärztin. Normal sind 50 bis 100 Haare am Tag, nach dem Haarewaschen bis zu 250.
Mit der Diagnose zeigt sich auch, ob zuerst Medikamente gegen erblichen Haarausfall helfen können oder ob eine Transplantation infrage kommt. Den Ablauf einer Haartransplantation von der Beratung bis zum Ergebnis sollten Sie vorher kennen.
Haben Sie Geheimratsecken und einen lichten Wirbel (Männer) oder einen dünnen Scheitel (Frauen)?
Kam der Haarausfall plötzlich oder nach einer Krankheit, Operation, Geburt oder einem neuen Medikament?
Dann kann ein gleichmäßiger Haarausfall dazukommen. Die Hautärztin klärt zuerst Auslöser, Eisenwerte und Schilddrüse.
Hat eine Hautärztin erblichen Haarausfall festgestellt und Ihr Stadium festgehalten?
Dann kann eine Transplantationspraxis prüfen, wie viel Haar am Hinterkopf steht und welches Verfahren passt. Der Verband nennt Männer ab Stadium 2 und Frauen ab Grad 2.
Lassen Sie die Diagnose zuerst bei der Hautärztin stellen. Sie gehört in Ihre Patientenakte und ist die Grundlage jeder Aufklärung.
Runde kahle Stellen, Rötung, Schuppung oder Narben sprechen für andere Formen, die behandelt und nicht transplantiert werden. Der Weg führt zur Hautärztin.
Häufige Fragen
Ab welchem Norwood-Stadium ist eine Haartransplantation möglich?
Der Verband Deutscher Haarchirurgen nennt für Männer die Norwood-Stadien 2 bis 7, wenn genug Haar am Hinterkopf steht. Das Stadium allein entscheidet nicht. Die Ärztin misst, wie dicht der Hinterkopf bewachsen ist, prüft Ihre Erwartungen und schließt andere Ursachen aus.
Wie viele Haarwurzelgruppen braucht eine Haartransplantation für die kahle Fläche?
Der Verband Deutscher Haarchirurgen nennt Spannen: 500 bis 1.500 Haarwurzelgruppen für 50 Quadratzentimeter, 1.000 bis 3.000 für 100 Quadratzentimeter. Die genaue Zahl hängt von Haaren je Bündel, Haardicke, Haarfarbe und der Ausbeute am Hinterkopf ab. Eine feste Zahl je Norwood-Stadium gibt es deshalb nicht.
Wie unterscheidet die Hautärztin erblichen von gleichmäßigem Haarausfall am ganzen Kopf?
Erblicher Haarausfall folgt einem Muster mit Geheimratsecken und lichtem Wirbel bei Männern oder dünnem Scheitel bei Frauen und kommt in der Familie vor. Gleichmäßiger Haarausfall betrifft den ganzen Kopf und folgt oft auf einen Auslöser wie Fieber, Operation, Geburt, Eisenmangel oder ein Medikament. Die Ärztin nutzt Gespräch, Zupftest, Untersuchung der Haarwurzeln und bei Verdacht Blutwerte.
Wie viele Haare verliert ein Mensch normalerweise pro Tag?
Normalerweise fallen 50 bis 100 Haare am Tag aus. Mehr als 100 gelten als auffällig, nach dem Haarewaschen sind bis zu 250 normal. Beim Zupftest sollten weniger als 3 Haare mit jedem Zug ausgehen.
Kann man bei kreisrundem Haarausfall Haare transplantieren?
Nein, bei kreisrundem Haarausfall ist eine Haartransplantation nicht vorgesehen. Der Verband Deutscher Haarchirurgen sieht den Eingriff nur für dauerhafte Haarausfallformen vor. Kreisrunder Haarausfall ist eine Erkrankung des Abwehrsystems, bei der die Haarwurzeln erhalten bleiben und Haare nachwachsen können. Die Behandlung folgt einer eigenen Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.
