Haarchirurgie

Ratgeber

Helfen Minoxidil und Finasterid gegen Haarausfall?

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Ja, bei erblichem Haarausfall empfiehlt die europäische Leitlinie der Hautärzte Minoxidil für Männer und Frauen und Finasterid für Männer. Beide Mittel wirken nur, solange Sie sie anwenden, und ihren Erfolg beurteilt man nach 6 Monaten. Im September 2025 bestätigte eine mit den Behörden abgestimmte Mitteilung Suizidgedanken als Nebenwirkung von Finasterid-Tabletten.

Erfolg der Behandlung beurteilen
nach 6 Monaten
Europäische Leitlinie zur Behandlung des erblichen Haarausfalls, deutsche Fassung 2011, Stand 1. Oktober 2011
Anfangs mehr Haarausfall unter Minoxidil möglich
in den ersten 8 Wochen
Europäische Leitlinie zur Behandlung des erblichen Haarausfalls, deutsche Fassung 2011, Stand 1. Oktober 2011
Gemeldete Fälle von Suizidgedanken unter Finasterid
313 Fälle bei etwa 270 Millionen Patientenjahren
Sicherheitsmitteilung (Rote-Hand-Brief) zu Finasterid und Dutasterid vom 15. September 2025, Stand 15. September 2025
Tropfflasche, Tablettenstreifen und ein Glas Wasser auf einer Ablage
Tropfflasche und Tabletten auf einer Ablage: Mittel gegen Haarausfall gibt es als Lösung und als Tablette. Bild: KI generiert.

Was empfiehlt die Leitlinie gegen erblichen Haarausfall?

Für erblichen Haarausfall gibt es eine europäische Leitlinie für Hautärztinnen und Hautärzte. Sie wertet die vorhandenen Studien aus und sagt, welche Mittel wirken, für wen und wann man den Erfolg beurteilt. Die deutsche Fassung von 2011 kennt drei Stufen: wird empfohlen, kann erwogen werden und wird nicht vorgeschlagen. In der ersten Stufe stehen nur Minoxidil und Finasterid. Fast alles andere, was Drogerie, Apotheke und Werbung anbieten, fehlt in der Leitlinie oder gilt als nicht ausreichend belegt.

Minoxidil-Lösung wird in 2 bis 5 Prozent für Männer und in 2 Prozent für Frauen empfohlen, zweimal täglich. Finasterid ist eine Tablette mit 1 mg am Tag und für Männer empfohlen. Den Erfolg beurteilt man bei beiden nach 6 Monaten, bei Finasterid bei manchen Männern erst nach 12 Monaten.

Empfehlungen der europäischen Leitlinie zum erblichen Haarausfall, deutsche Fassung 2011.
MittelEmpfehlungFür wenErfolg beurteilen
Minoxidil-Lösung 2 bis 5 Prozent, zweimal täglich 1 ml auf die Kopfhautwird empfohlenMänner über 18 Jahre, 5 Prozent wirkt besser als 2 Prozentnach 6 Monaten
Minoxidil-Lösung 2 Prozent, zweimal täglich 1 ml auf die Kopfhautwird empfohlenFrauen über 18 Jahrenach 6 Monaten
Finasterid 1 mg, eine Tablette täglichwird empfohlenMänner über 18 Jahre mit leichtem bis mäßig schwerem Haarausfallnach 6 Monaten, bei manchen erst nach 12 Monaten
Finasterid 1 mg bei Frauen nach den Wechseljahrenwird nicht vorgeschlagenFrauenentfällt
Haartransplantationkann erwogen werdenMänner und Frauen mit genug Haar am Hinterkopf, bei Männern zusammen mit FinasteridErgebnis nach 9 bis 12 Monaten
Koffein, Vitamine, Sägepalmekeine oder keine ausreichenden Belegealleentfällt
Eigenblut-Behandlung2011 nicht bewertetalleentfällt

Unter Minoxidil kann anfangs mehr Haar ausfallen

Minoxidil tragen Sie als Lösung oder Schaum auf die Kopfhaut auf. Minoxidil gibt es teilweise ohne Rezept, eine ärztliche Beratung wird trotzdem empfohlen. Die 2-prozentige Lösung ist laut Leitlinie ein wirksames Mittel, um bei Männern und Frauen das Fortschreiten des erblichen Haarausfalls zu verhindern und eine Besserung zu erzielen. Bei Männern wirkt die 5-prozentige Lösung besser. Für Frauen reichten die Daten 2011 nicht, um sie an Stelle der 2-prozentigen zu empfehlen. Die europäische Fassung von 2018 empfiehlt Frauen außerdem einen Schaum mit 5 Prozent Minoxidil einmal täglich.

Wer anfängt, sollte einen Verlauf kennen, der viele verunsichert. Nach der Leitlinie kann in den ersten 8 Wochen vermehrt Haar ausfallen, das gerade in der Ruhephase ist. Der Haarausfall wird also zuerst stärker und normalisiert sich meist innerhalb weniger Wochen bis Monate. Ob das Mittel wirkt, zeigt sich erst nach 6 Monaten. Und zur Erhaltung des Erfolgs muss die Behandlung fortgesetzt werden.

Minoxidil gibt es auch als Tablette. Die europäische Leitlinie bewertet in der Fassung von 2011 nur die Anwendung auf der Kopfhaut. Ob eine Tablette für Sie infrage kommt und welche Nebenwirkungen sie hat, klären Sie mit der Hautärztin.

Was der Warnbrief vom September 2025 zu Finasterid sagt

Finasterid bremst ein Enzym, das aus Testosteron das Hormon DHT macht. Auf DHT reagieren die Haarwurzeln bei erblichem Haarausfall überempfindlich. Die Tablette ist verschreibungspflichtig. Das Gesundheitsportal des Bundes nennt als mögliche Nebenwirkungen Potenzstörungen, Hodenschmerzen, eine Vergrößerung der Brustdrüse und Depression.

Am 15. September 2025 verschickten die Hersteller aller Arzneimittel mit Finasterid oder dem verwandten Wirkstoff Dutasterid einen Rote-Hand-Brief. So heißt die Mitteilung, mit der Ärzte und Apotheker über neue Sicherheitsmaßnahmen informiert werden. Sie war mit der europäischen und der deutschen Arzneimittelbehörde abgestimmt. Der Brief stellt fest: Suizidgedanken sind eine Nebenwirkung von Finasterid-Tabletten, vor allem bei Menschen, die wegen erblichen Haarausfalls behandelt werden. Wie oft das vorkommt, lässt sich aus den Daten nicht schätzen. In der europäischen Datenbank für Nebenwirkungen liegen 313 Fälle zu Finasterid vor. Die geschätzte Behandlungszeit liegt bei etwa 270 Millionen Patientenjahren, das ist die Summe aller Behandlungsjahre.

  • Bei gedrückter Stimmung, Depression oder Suizidgedanken sollen Patienten die Behandlung mit Finasterid-Tabletten abbrechen und ärztlichen Rat einholen.
  • Bei Anzeichen sexueller Funktionsstörungen sollen Patienten ärztlichen Rat einholen und einen Abbruch erwägen, weil solche Störungen zu Stimmungsänderungen beitragen können.
  • Jede Packung mit 1 mg Finasterid enthält künftig eine Patientenkarte, die auf diese Risiken hinweist.
  • Für die Sprühlösung mit Finasterid zum Auftragen auf die Haut gibt es nach dem Brief keine ausreichenden Belege für einen Zusammenhang mit Suizidgedanken.

Was bei Eigenblut, Laser und Vitaminen belegt ist

Für viele Mittel gibt es nach der Leitlinie keine oder keine ausreichenden Belege. Dazu gehören Vitamine wie Biotin, Koffein, Zink, Sägepalme, Shampoos mit Ketoconazol und Zinkpyrithion. Keine Belege heißt nicht, dass ein Mittel nie wirkt, sondern dass niemand in Studien gezeigt hat, dass es wirkt. Für den Kauf ist das der Unterschied zwischen einem Versprechen und einem Nachweis.

Bei der Eigenblut-Behandlung, oft mit PRP abgekürzt, spritzt die Ärztin aufbereitetes Blutplasma aus Ihrem eigenen Blut in die Kopfhaut. In der Leitlinie von 2011 wurde sie nicht bewertet. Die europäische Leitlinie von 2018 spricht weder eine Empfehlung dafür noch dagegen aus, und eine Empfehlung wie für Minoxidil und Finasterid gibt es nicht. Wer sie erwägt, fragt die Ärztin, auf welche Studie sie sich stützt, wie viele Sitzungen geplant sind und was alles zusammen kostet.

Wann Medikamente und wann eine Transplantation passen

Eine Haartransplantation verteilt Haare um, die nicht auf DHT reagieren. Die übrigen Haare fallen weiter aus. Deshalb schlägt die Leitlinie für Männer vor, die Transplantation mit Finasterid zu kombinieren, um ein besseres Ergebnis zu erreichen. Der Verband Deutscher Haarchirurgen verlangt vor dem Eingriff außerdem einen Nachweis, dass Sie sich mehr als 4 Wochen mit dem Thema beschäftigt haben. Sie sollen die Alternativen kennen und sie angewandt, ausgeschöpft oder abgelehnt haben. Medikamente und Transplantation schließen sich also nicht aus.

Medikament, Transplantation oder beides?

Hat eine Hautärztin erblichen Haarausfall festgestellt und andere Ursachen ausgeschlossen?

Ja

Sind die betroffenen Stellen noch behaart, wenn auch dünner?

Ja

Haben Sie Minoxidil oder Finasterid mindestens 6 Monate angewendet und mit der Ärztin ausgewertet?

Ja

Dann liegt eine belastbare Grundlage vor. Reicht das Ergebnis nicht, kann die Ärztin bei genug Haar am Hinterkopf eine Transplantation erwägen, bei Männern zusammen mit Finasterid.

Nein

Die Leitlinie empfiehlt Minoxidil für Männer und Frauen und Finasterid für Männer. Besprechen Sie vorher die Nebenwirkungen und die Warnung vom September 2025.

Nein

Dann prüft die Ärztin, ob Medikamente die vorhandenen Haare erhalten sollen und ob genug Haar am Hinterkopf für eine Transplantation steht.

Nein

Zuerst kommt die Diagnose. Gleichmäßiger Haarausfall durch Eisenmangel, Schilddrüse, Medikamente oder Fieber hat andere Ursachen und wird anders behandelt.

Voraussetzung für beides ist die Diagnose des erblichen Haarausfalls nach den Norwood-Stadien. Vor einer Transplantation gehört außerdem ein Aufklärungsgespräch mit Bedenkzeit und Risiken dazu.

Wer Minoxidil und Finasterid bezahlt

Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt eine Behandlung gegen erblichen Haarausfall in aller Regel nicht. Beim Mann gilt dieser Haarausfall nach dem Gesundheitsportal des Bundes nicht als Krankheit. Das trifft die Lösung aus der Apotheke ebenso wie die Tabletten auf Rezept. Weil die Behandlung nach der Leitlinie dauerhaft fortgesetzt werden muss, entstehen laufende Kosten über Jahre. Rechnen Sie die Monatskosten mal zwölf, bevor Sie sie mit dem Preis eines Eingriffs vergleichen.

So verläuft eine Behandlung mit Medikamenten
  1. Diagnose

    Gespräch, Muster des Haarausfalls und bei Bedarf Blut- und Hormonwerte. Zuständig: die Hautärztin.

  2. Auswahl und Aufklärung

    Minoxidil, Finasterid oder beides nach der Leitlinie, dazu Nebenwirkungen, die Warnung von 2025 und die Patientenkarte. Zuständig: die Ärztin, vor dem ersten Rezept.

  3. Woche 1 bis 8

    Unter Minoxidil kann der Haarausfall zunächst zunehmen. Das gehört nach der Leitlinie zum möglichen Verlauf. Machen Sie ein Foto vom Ausgangszustand. Zuständig: Sie.

  4. Monat 6

    Die Ärztin beurteilt mit Ihnen anhand von Vergleichsfotos, ob das Mittel anschlägt.

  5. Monat 12

    Bei Finasterid zeigt sich der Erfolg bei manchen erst jetzt. Sie entscheiden mit der Ärztin, ob Sie fortsetzen, wechseln oder über eine Transplantation sprechen.

  6. Dauerhaft

    Die Behandlung läuft weiter, solange der Erfolg gehalten werden soll. Bei jeder Stimmungsänderung oder sexuellen Funktionsstörung unter Finasterid holen Sie umgehend ärztlichen Rat ein.

Häufige Fragen

Was empfiehlt die Leitlinie gegen erblichen Haarausfall bei Männern und Frauen?

Für Männer empfiehlt die europäische Leitlinie Minoxidil-Lösung mit 2 bis 5 Prozent zweimal täglich und Finasterid 1 mg täglich, für Frauen Minoxidil-Lösung mit 2 Prozent zweimal täglich. Den Erfolg beurteilt man nach 6 Monaten. Um ihn zu halten, muss die Behandlung fortgesetzt werden.

Was steht in der Sicherheitsmitteilung zu Finasterid vom 15. September 2025?

Die Mitteilung, ein Rote-Hand-Brief, stellt fest, dass Suizidgedanken eine Nebenwirkung von Finasterid-Tabletten sind, vor allem bei erblichem Haarausfall. Wer unter gedrückter Stimmung, Depression oder Suizidgedanken leidet, soll die Behandlung abbrechen und ärztlichen Rat einholen. Packungen mit 1 mg Finasterid enthalten künftig eine Patientenkarte.

Warum können unter Minoxidil zuerst mehr Haare ausfallen?

Unter Minoxidil kann in den ersten 8 Wochen vermehrt Haar ausfallen, das gerade in der Ruhephase ist. Die europäische Leitlinie verlangt, dass Patienten vor Beginn darüber informiert werden. Der Ausfall normalisiert sich meist innerhalb weniger Wochen bis Monate.

Hilft eine Eigenblut-Behandlung (PRP) gegen erblichen Haarausfall?

Ob die Eigenblut-Behandlung gegen erblichen Haarausfall hilft, ist durch keine Leitlinienempfehlung belegt. Die europäische Leitlinie hat sie in ihrer Fassung von 2011 nicht bewertet. Fragen Sie die Ärztin, auf welche Studie sie sich stützt, wie viele Sitzungen sie plant und was alles zusammen kostet.

Helfen Koffein-Shampoo, Biotin oder ein Laserkamm gegen Haarausfall?

Für Koffein, Biotin, Vitamine, Zink, Sägepalme und Ketoconazol nennt die europäische Leitlinie keine oder keine ausreichenden Belege, dass sie erblichen Haarausfall verbessern oder aufhalten. Für Laserlicht mit niedriger Leistung gab es nach der europäischen Leitlinie von 2018 noch nicht genug Daten aus kontrollierten Studien für eine klare Empfehlung. Das heißt nicht, dass sie nie wirken. Es fehlt der Nachweis aus Studien.

Zahlt die Krankenkasse Minoxidil oder Finasterid?

Nein, die gesetzliche Krankenversicherung zahlt eine Behandlung mit Minoxidil oder Finasterid bei erblichem Haarausfall in aller Regel nicht. Beim Mann gilt dieser Haarausfall nach dem Gesundheitsportal des Bundes nicht als Krankheit. Die Kosten fallen dauerhaft an, weil die Behandlung fortgesetzt werden muss.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Blumeyer A et al.: Evidenzbasierte S3-Leitlinie für die Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Frauen und Männern. JDDG 2011; 9 (Suppl. 6): S1-S57, DOI 10.1111/j.1610-0379.2011.07802.x (Sonderdruck), Deutsche Dermatologische Gesellschaft, Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft,
  2. Kanti V et al.: Evidence-based (S3) guideline for the treatment of androgenetic alopecia in women and in men, short version. JEADV 2018;32(1):11-22, DOI 10.1111/jdv.14624, PMID 29178529, PubMed, National Library of Medicine,
  3. Rote-Hand-Brief zu Finasterid und Dutasterid: Neue Maßnahmen zur Minimierung des Risikos für Suizidgedanken, 15. September 2025, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM),
  4. Rote-Hand-Brief Finasterid, Dutasterid vom 15. September 2025 (Volltext, PDF), Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft,
  5. Anlagebedingter Haarausfall beim Mann (Stand 5. November 2025, geprüft von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft), gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit,
  6. 2025 Practice Census Results (verordnete Behandlungen, Daten 2024), International Society of Hair Restoration Surgery (ISHRS),
  7. VDHC-Leitlinien zur Haartransplantation 2020 (Voraussetzungen vor dem Eingriff, Verweis auf die europäische S3-Leitlinie), Verband Deutscher Haarchirurgen e.V.,
  8. § 3 Heilmittelwerbegesetz, Verbot irreführender Werbung, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  9. Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG), Leitlinien im AWMF-Register (Fachgesellschaftsnummer 013), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
  10. Neue S3-Leitlinie zur androgenetischen Alopezie (Empfehlungen 2018 zu Minoxidil, Finasterid, Laser und Eigenblut), Meldung vom 22. Februar 2018, haarerkrankungen.de,

Einsatz von Sprachmodellen

Künstliche Intelligenz hat bei Haarchirurgie mitgeholfen. Sie hat die Ratgeber mitgeschrieben und überarbeitet, Quellen gesucht und die Bilder erzeugt. Den Rechenweg im Graftrechner legt ein festes Programm fest, keine künstliche Intelligenz.

Korrekturweg

Eine falsche oder veraltete Angabe melden Sie über das Kontaktformular. Nennen Sie die Seite und die richtige Angabe, am besten mit Quelle. Auskunft, Berichtigung oder Löschung Ihrer Daten nach Art. 15 bis 17 DSGVO beantragen Sie auf demselben Weg.

Stand dieser Angaben: 4. Oktober 2026.