Was FUE, FUT und DHI bedeuten
Jede Haartransplantation verteilt vorhandene Haare um, neue entstehen dabei nicht. Die Ärztin holt Haarwurzelgruppen vom Hinterkopf, das Team bereitet sie unter dem Mikroskop vor, und dann kommen sie in die kahle Stelle. Eine Haarwurzelgruppe ist ein natürliches Bündel aus meist ein bis vier, selten fünf Haaren und heißt auf Angeboten oft Grafts.
FUE, FUT und DHI sind deshalb keine drei verschiedenen Operationen. FUE und FUT beschreiben, wie die Haarwurzeln entnommen werden. DHI beschreibt, wie sie eingesetzt werden.
Bei FUE, der Einzelentnahme, löst die Ärztin jede Haarwurzelgruppe einzeln mit einer feinen, runden Hohlnadel aus der Kopfhaut. Bei FUT schneidet sie einen schmalen Hautstreifen aus dem Hinterkopf, näht die Wunde zu, und das Team zerlegt den Streifen unter dem Mikroskop. Bei DHI setzt ein Stift (Implanter) die Haarwurzelgruppe ein: Er macht die Öffnung und setzt in einem Zug. Entnommen wird dabei meist per FUE.
Eine Umfrage unter Praxen des internationalen Fachverbands für Haarchirurgie zeigt, wie verbreitet die Verfahren sind. Bei den befragten Mitgliedern lag 2024 der FUE-Anteil bei Männern im Schnitt bei 85,4 Prozent und der FUT-Anteil bei 12,5 Prozent. Bei 2,1 Prozent wurden beide kombiniert.
| Merkmal | FUE | FUT | DHI |
|---|---|---|---|
| Entnahme | Hohlnadel mit 0,7 bis 1,2 Millimeter | Streifen, 0,5 bis 1,5 Zentimeter breit und 5 bis 30 Zentimeter lang | meist wie FUE |
| Narbe am Hinterkopf | viele kleine Punkte | eine Narbe in Form einer Linie | meist wie FUE |
| Anteil bei Männern 2024 | 85,4 Prozent | 12,5 Prozent | nicht getrennt erhoben |
| Preis | meist höher | meist niedriger | nach einer Übersichtsarbeit höher als das Einsetzen mit Pinzette |
So läuft die FUE-Entnahme ab
Für die Entnahme rasiert das Team den Hinterkopf in der Regel großflächig. Die Ärztin betäubt die Stelle örtlich und löst jede Haarwurzelgruppe mit einer Hohlnadel von 0,7 bis 1,2 Millimeter Durchmesser aus der Haut. Die Haarwurzelgruppen werden geprüft, in Salzlösung gelagert und noch am selben Tag wieder eingesetzt. So empfiehlt es die Leitlinie des Verbands Deutscher Haarchirurgen, in dem erfahrene Ärztinnen und Ärzte organisiert sind.
In einem typischen Fall setzten die befragten Praxen des internationalen Fachverbands bei FUE 2.262 Haarwurzelgruppen ein, bei FUT 2.100. Der Vorteil von FUE liegt in der Narbe: Statt einer Linie bleiben viele kleine Punkte, die sich je nach Länge, Fülle und Art Ihres Haars überkämmen lassen. Der internationale Fachverband nennt außerdem eine schnellere Erholung und weniger Beschwerden als bei FUT. Ganz ohne Narben geht auch FUE nicht.
Das größte Risiko nennt der Fachverband offen: Die Ärztin entnimmt zu viele Haarwurzelgruppen oder aus einem Bereich außerhalb der sicheren Zone. Diese Zone liegt am Hinterkopf und an den Seiten. Ihre Haare reagieren nicht auf das Hormon DHT, das erblichen Haarausfall auslöst, und fallen deshalb in der Regel nicht durch den erblichen Haarausfall aus. Wer dort zu viel entnimmt, hinterlässt eine sichtbar ausgedünnte Stelle, und das lässt sich nicht rückgängig machen. Der deutsche Verband warnt deshalb vor Sitzungen mit mehr als 3.000 Haarwurzelgruppen: Dann steigt das Komplikationsrisiko, und deutlich weniger Haare können anwachsen.
Wann FUT die bessere Wahl sein kann
Bei FUT schneidet die Ärztin am Hinterkopf einen Hautstreifen heraus und näht die Wunde zu. Nach dem Fachverband ist der Streifen 0,5 bis 1,5 Zentimeter breit und 5 bis 30 Zentimeter lang. Das Haar darüber und darunter bleibt lang, rasiert wird nicht. Zurück bleibt eine Narbe in Form einer Linie. Wächst Haar durch die Narbe, fällt sie weniger auf. Dafür schneidet die Ärztin einen Millimeter Gewebe von einer Wundkante ab. Fragen Sie nach dieser Nahttechnik.
Der Fachverband nennt vier Gründe für FUT. Es braucht keine Rasur, und in einer Sitzung lassen sich sehr viele Haarwurzelgruppen verpflanzen. Die Operation dauert kürzer als bei FUE und kostet meist weniger. Dagegen stehen die Narbe, eine längere Heilung an der Entnahmestelle und in manchen Fällen mehr Schmerzen als bei FUE.
Bei Frauen wird FUT häufiger gewählt als bei Männern, 2024 in 30,0 Prozent der Eingriffe gegenüber 12,5 Prozent. Der Grund steht in der deutschen Leitlinie: FUE verlangt eine großflächige Rasur, und die wird bei Frauen in der Regel nicht angewandt. Beide Methoden gelten als medizinischer Standard. Ein Verfahren, das für alle das beste ist, gibt es laut Leitlinie nicht.
Ist DHI besser als das Einsetzen mit Pinzette?
Beim klassischen Einsetzen sticht die Ärztin zuerst alle Öffnungen in die kahle Stelle und schiebt die Haarwurzelgruppen danach mit einer Pinzette hinein. Beim Implanter steckt die Haarwurzelgruppe in einer Hohlnadel, die Öffnung und Einsetzen in einem Schritt erledigt. Eine Übersichtsarbeit von 2018 vergleicht drei Einsetzmethoden.
- Öffnungen vorab, dann Pinzette: schnell und günstig, weil zwei bis drei Helferinnen gleichzeitig einsetzen können.
- Öffnung und sofort die Haarwurzelgruppe: langsam, weil nur eine Person gleichzeitig arbeitet.
- Implanter (DHI): schnell, leicht zu lernen und schonend für die Haarwurzelgruppen, aber durch die Einwegteile teurer.
Dass der Stift mehr Haare zum Anwachsen bringt als die Pinzette, belegt keine der ausgewerteten unabhängigen Quellen. Die Übersichtsarbeit vergleicht die Anwuchsraten nicht, und Werte, die Anbieter für DHI nennen, sind Werbeaussagen. Der Verband Deutscher Haarchirurgen erwähnt den Implanter in seiner Leitlinie nicht. Er warnt nur allgemein, dass neue Geräte nicht immer eine gesicherte Verbesserung bringen.
Welches Verfahren zu Ihnen passt
Die deutsche Leitlinie nennt sechs Kriterien für die Wahl der Entnahme. Ihre Ärztin berücksichtigt Ihren Wunsch, den Umfang der Operation, das Haar am Hinterkopf und an der kahlen Stelle, die Haarqualität, die Elastizität Ihrer Kopfhaut und die gewünschte Haarlänge. Gibt es mehrere gleichwertige Methoden mit unterschiedlichen Risiken, muss sie Sie darauf hinweisen. Bei FUE und FUT ist das der Fall.
Dürfen die Haare am Hinterkopf großflächig rasiert werden?
Gibt Ihr Hinterkopf genug Haare für die geplante Zahl her?
FUE ist möglich. Fragen Sie nach der Nadelgröße, der Zahl der Haarwurzelgruppen je Sitzung und danach, wer die Entnahme ausführt.
Die Ärztin plant weniger Haarwurzelgruppen, mehrere Sitzungen oder prüft FUT. Ein Angebot sollte Ihre Reserve am Hinterkopf berücksichtigen.
Ist Ihre Kopfhaut elastisch genug für einen Streifen, und akzeptieren Sie eine lange Narbe?
FUT ist möglich. Sie behalten Ihre Haarlänge, und FUT kostet meist weniger.
Dann kommt FUE ohne Rasur infrage. Das geht nach dem Fachverband nur in ausgewählten Fällen und kostet mehr.
Die Wahl des Verfahrens entscheidet nicht darüber, wie viele Haare am Ende wachsen. Das hängt nach der deutschen Leitlinie von der Durchblutung der Haut, der Erfahrung des Teams, der Technik und der Dichte der eingesetzten Haarwurzelgruppen ab. Ab mehr als 25 Haarwurzelgruppen je Quadratzentimeter erwartet der Verband ein sehr gutes optisches Ergebnis. Über 25 bis 30 sinkt aber die Zahl der angewachsenen Haare, weil die Blutversorgung nicht mehr für alle reicht. Sehr dichte Verpflanzungen, in der Werbung Dense Packing genannt, tragen deshalb immer das Risiko des Nichtanwachsens.
Welche 6 Fragen Sie im Vorgespräch stellen
Ein Verfahrensname auf dem Angebot ersetzt kein Aufklärungsgespräch. Der Verband Deutscher Haarchirurgen empfiehlt ein Gespräch von mindestens 30 Minuten mit der operierenden Ärztin und mindestens 24 Stunden Abstand zum Eingriff. Die Entnahme und das Setzen der Öffnungen bleiben nach seiner Leitlinie der Ärztin mit Assistenz vorbehalten, den Rest darf geschultes Personal übernehmen. Den Ablauf einer Haartransplantation vom ersten Befund bis zum Ergebnis sollten Sie vorher kennen. Diese sechs Fragen gehören in das Gespräch.
- Welches Verfahren empfehlen Sie mir, und warum? Die Antwort muss Ihr Haar, Ihre Kopfhaut und Ihre Haarlänge nennen, nicht das Verfahren, das die Praxis immer anwendet.
- Wie viele Haarwurzelgruppen gibt mein Hinterkopf her, und wie viele brauchen wir jetzt? Dazu gehört eine Messung, wie dicht Ihre Haare dort stehen.
- Welche Nadelgröße verwenden Sie bei FUE, und wer führt die Entnahme aus? Gut die Hälfte der befragten Praxen nutzt 0,81 bis 0,90 Millimeter.
- Wie viele Haarwurzelgruppen je Quadratzentimeter planen Sie, und warum? Der Verband nennt 25 bis 30 als Grenze, über der weniger Haare anwachsen.
- Wie setzen Sie die Haarwurzelgruppen ein, und wer macht das? Zur Wahl stehen Pinzette, Stück für Stück oder Stift.
- Welche Narbe bleibt, wie sieht sie bei meiner Haarlänge aus, und was passiert bei einer zweiten Sitzung?
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen FUE und DHI bei der Haartransplantation?
FUE und DHI beschreiben verschiedene Schritte der Haartransplantation. Bei FUE löst die Ärztin einzelne Haarwurzelgruppen mit einer feinen Hohlnadel aus der Kopfhaut. DHI heißt das Einsetzen mit einem Stift, der Öffnung und Einsetzen in einem Zug erledigt. Die Haarwurzelgruppen dafür werden meist ebenfalls per FUE entnommen.
Was ist der Unterschied zwischen FUE und FUT bei der Haartransplantation?
FUE entnimmt jede Haarwurzelgruppe einzeln und hinterlässt viele kleine Närbchen. FUT entnimmt einen Hautstreifen und hinterlässt eine Narbe in Form einer Linie. FUE verlangt meist eine Rasur des Hinterkopfs, FUT nicht. Nach dem internationalen Fachverband ist FUT meist günstiger, dafür geht die Erholung nach FUE schneller.
Welches Verfahren der Haartransplantation ist das beste?
Ein Verfahren, das für alle das beste ist, gibt es nach der Leitlinie des Verbands Deutscher Haarchirurgen nicht. FUE und FUT gelten beide als medizinischer Standard. Welches passt, hängt von Ihrem Wunsch, dem Umfang des Eingriffs, Ihrem Haar und Ihrer Kopfhaut ab.
Wie viele Haarwurzelgruppen werden bei einer Haartransplantation in einer Sitzung verpflanzt?
In einem typischen Fall setzten Praxen 2024 im Mittel 2.262 Haarwurzelgruppen bei FUE und 2.100 bei FUT ein, so eine Umfrage des internationalen Fachverbands. Der Verband Deutscher Haarchirurgen nennt bis zu 3.000 je Behandlung. Bei mehr als 3.000 steigt das Komplikationsrisiko.
