Kann man Bart und Augenbrauen transplantieren?
Ja. Der Verband Deutscher Haarchirurgen nennt in seiner Leitlinie ausdrücklich Augenbrauen und Bartbereich als mögliche Stellen für Haare vom Hinterkopf, neben der Kopfhaut. Die meisten Erfahrungen stammen aber weiter von Eingriffen am Kopf.
Wie verbreitet das ist, zeigt eine Umfrage unter Praxen des internationalen Fachverbands für Haarchirurgie. 2024 zielten 18 Prozent der Eingriffe bei Männern und 21 Prozent bei Frauen nicht auf die Kopfhaut. Bei Männern entfielen 4,9 Prozent auf den Bart und 4,4 Prozent auf die Augenbrauen, bei Frauen 12,2 Prozent auf die Augenbrauen. Die Zahl der gemeldeten Eingriffe im Gesicht stieg weltweit von 4.707 im Jahr 2012 auf 30.957 im Jahr 2019.
Das Grundprinzip ist dasselbe wie am Kopf: Die Ärztin entnimmt Haare vom Hinterkopf und setzt sie in die dünne oder kahle Stelle. Auch der Ablauf einer Haartransplantation von der Beratung bis zum Ergebnis ist ähnlich. Unterschiede gibt es bei der Größe der Haarwurzelgruppen, das sind kleine Bündel aus meist ein bis vier, selten fünf Haaren, bei der Nachsorge und bei den Risiken im Gesicht.
Woher kommen die Haare für Bart und Augenbrauen?
Die Haare kommen meist vom Hinterkopf und von den Seiten, wie bei einer Haartransplantation am Kopf. Sie reagieren nicht auf das Hormon DHT, das erblichen Haarausfall auslöst, und fallen deshalb in der Regel nicht durch den erblichen Haarausfall aus. Für die Augenbrauen wählt die Praxis nach dem Fachverband Haar mit passender Struktur und Wuchsrichtung. Für die Entnahme gibt es mehrere Verfahren der Haartransplantation, die sich in Narbe und Aufwand unterscheiden.
Eine zweite Entnahmestelle ist der Bart selbst, meist unter dem Kiefer. Bei 6,1 Prozent der Entnahmen einzelner Haarwurzelgruppen lag die Entnahmestelle dort.
Planen Sie später eine Haartransplantation am Kopf?
Ist Ihr Haar am Hinterkopf schon knapp?
Fragen Sie die Ärztin, wie viele Haarwurzelgruppen Ihr Hinterkopf insgesamt hergibt und wie sie die Haare auf Kopf und Gesicht verteilen würde.
Fragen Sie trotzdem, wie viel Reserve am Hinterkopf nach der Entnahme für später bleibt.
Dann muss die Praxis bei der Wahl der Entnahmestelle weniger auf spätere Eingriffe achten.
Warum die Wuchsrichtung im Gesicht zählt
Beim Setzen der Öffnungen legt die Ärztin Richtung, Winkel, Tiefe und Dichte der neuen Haare fest. Im Gesicht liegt jedes Haar offen sichtbar, deshalb muss es zur Richtung der Nachbarhaare passen. Beim Bart unterscheidet der Fachverband vier Bereiche: Oberlippe, Kinn, Wangen und Koteletten.
Bei den Augenbrauen setzt die Praxis meist Haarwurzelgruppen mit ein bis zwei Haaren ein, am Kopf sind es ein bis fünf. Nach dem Anwachsen muss das Haar ab und zu gekürzt werden. Außerdem legt man es mit Gel oder Wachs flach, bis es wie Augenbrauenhaar liegt.
Welche Risiken im Gesicht dazukommen
Zu den allgemeinen Risiken einer Haartransplantation gehören Schwellung, Krusten und der Ausfall der verpflanzten Haare in den ersten Wochen. Im Gesicht kommen einige hinzu. Beim Bart nennt der Fachverband Verfärbungen der Haut nach Entzündungen, besonders bei dunkler Haut, und kleine Knötchen um die eingesetzten Haare, unter der Lippe und am Kinn. Selten kommt es zu einer Entzündung der Haarwurzeln, Follikulitis genannt, am häufigsten unter der Unterlippe. Bei den Augenbrauen bleibt es nach dem Fachverband meist bei leichten Schmerzen und Schwellung.
Gehen Sie in die Praxis, wenn Sie Folgendes bemerken.
- Rötung oder bräunliche Verfärbung der Einsetzstellen, die nicht abklingt.
- Kleine feste Knötchen im Bart oder an der Augenbraue, die nicht von selbst zurückgehen.
- Eiterbläschen oder Schmerzen, vor allem unter der Lippe.
- Haare, die erkennbar in eine andere Richtung wachsen als die Nachbarhaare.
Wann Bart und Augenbrauen fertig gewachsen sind
Bei der Barttransplantation zeigt sich das Gesamtergebnis nach 10 bis 14 Monaten. Ein Teil der Haare fällt zuerst aus, nach 3 bis 4 Monaten wachsen neue nach. Am Kopf nennt der Verband Deutscher Haarchirurgen 9 bis 12 Monate. Für die Augenbrauen nennt der Fachverband keinen Zeitraum. Für dichtere Augenbrauen sind aber zwei oder mehr Sitzungen im Abstand von mehreren Jahren üblich.
Am Kopf machten 2024 bei Männern 81,6 Prozent und bei Frauen 78,9 Prozent der Eingriffe aus. Bei Männern entfielen 4,4 Prozent auf die Augenbrauen und 4,9 Prozent auf den Bart, bei Frauen 12,2 Prozent auf die Augenbrauen. Das Endergebnis zeigt sich am Kopf nach 9 bis 12 Monaten, beim Bart nach 10 bis 14 Monaten.
| Merkmal | Kopfhaar | Augenbrauen | Bart |
|---|---|---|---|
| Anteil an allen Eingriffen 2024 | Männer 81,6 Prozent, Frauen 78,9 Prozent | Männer 4,4 Prozent, Frauen 12,2 Prozent | Männer 4,9 Prozent |
| Haare je Haarwurzelgruppe | ein bis fünf | meist ein bis zwei | keine Angabe |
| Zeit bis zum Endergebnis | 9 bis 12 Monate | keine Angabe | 10 bis 14 Monate |
| Zusätzliche Risiken | Schwellung, Krusten, Narben an der Entnahmestelle | meist nur leichte Schmerzen und Schwellung | Verfärbungen, Knötchen, Entzündung der Haarwurzeln |
Was kostet eine Bart- oder Augenbrauentransplantation?
Eine feste Preisliste gibt es weder für den Kopf noch für Bart und Augenbrauen. Die Kosten richten sich nach dem Aufwand, zum Beispiel nach der Zahl der Haarwurzelgruppen. Verlangen Sie vor dem Eingriff eine schriftliche Kostenaufstellung.
Werbung für ästhetische Operationen darf sich mit Vorher-Nachher-Bildern nicht an Laien richten. Bilder von Bärten und Augenbrauen in sozialen Netzwerken sagen deshalb nichts über Ihr Ergebnis.
Was Sie vorab mit der Praxis klären
Fragen Sie, wie viel Erfahrung die Praxis speziell mit Bart und Augenbrauen hat, nicht nur mit dem Kopf. Nach der Leitlinie bleiben die Entnahme und das Setzen der Öffnungen der Ärztin mit Assistenz vorbehalten. Als Grundvoraussetzung nennt sie eine abgeschlossene Ausbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt in einem operativen Fach.
- Besprechen Sie Form und Dichte anhand von Fotos Ihrer eigenen Ausgangslage, nicht anhand von Vorher-Nachher-Bildern aus der Werbung.
- Fragen Sie, wie viele Bart- oder Augenbrauentransplantationen die Praxis schon gemacht hat.
- Klären Sie, ob die geplante Entnahme eine spätere Haartransplantation am Kopf einschränkt.
- Lassen Sie sich die Wuchsrichtung vor der Operation einzeichnen und erklären.
- Planen Sie bei den Augenbrauen ein, die Haare gelegentlich zu kürzen und mit Gel oder Wachs zu legen.
- Beurteilen Sie das Ergebnis erst nach der üblichen Frist, beim Bart nach 10 bis 14 Monaten. Für Augenbrauen nennt der Fachverband keine Frist, fragen Sie die Praxis.
Häufige Fragen
Kann man einen Bart oder Augenbrauen transplantieren lassen?
Ja. Der Verband Deutscher Haarchirurgen nennt Augenbrauen und Bartbereich ausdrücklich als mögliche Stellen für eine Haartransplantation. 2024 entfielen nach einer Umfrage des internationalen Fachverbands bei Frauen 12,2 Prozent der Eingriffe auf die Augenbrauen, bei Männern 4,9 Prozent auf den Bart und 4,4 Prozent auf die Augenbrauen.
Woher stammen die Haare für eine Bart- oder Augenbrauentransplantation?
Die Haare stammen meist vom Hinterkopf, wie bei einer Haartransplantation am Kopf. Manchmal dient der Bart selbst als Entnahmestelle: Bei 6,1 Prozent der Entnahmen einzelner Haarwurzelgruppen lag sie nach der Umfrage des internationalen Fachverbands im Bart.
Wie lange dauert es, bis eine Barttransplantation fertig gewachsen ist?
Das Gesamtergebnis zeigt sich nach 10 bis 14 Monaten. Ein Teil der Haare fällt zunächst aus, nach 3 bis 4 Monaten wachsen neue nach. So beschreibt es der internationale Fachverband für Haarchirurgie.
Was ist bei einer Augenbrauentransplantation anders als am Kopf?
Bei Augenbrauen haben die Haarwurzelgruppen meist ein bis zwei Haare. Die Haare müssen später gelegentlich gekürzt und mit Gel oder Wachs flach gelegt werden. Nach dem Fachverband bleiben die Beschwerden meist auf leichte Schmerzen und Schwellung beschränkt. Für dichtere Augenbrauen sind oft zwei oder mehr Sitzungen im Abstand von Jahren nötig.
Was kostet eine Bart- oder Augenbrauentransplantation?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Der Preis richtet sich nach dem Aufwand, zum Beispiel nach der Zahl der Haarwurzelgruppen. Verlangen Sie vor dem Eingriff eine schriftliche Kostenaufstellung.
Wer darf bei einer Bart- oder Augenbrauentransplantation die Haare entnehmen?
Nach der Leitlinie des Verbands Deutscher Haarchirurgen bleiben die Entnahme und das Setzen der Öffnungen der Ärztin mit Assistenz vorbehalten. Geschultes Personal darf die Haarwurzelgruppen vorbereiten und einsetzen, während die Ärztin erreichbar ist. Fragen Sie die Praxis, wer bei Ihnen welchen Schritt ausführt.
