Wer führt den ersten Termin beim Haarchirurgen?
Der erste Termin, auch Erstberatung genannt, gehört in ärztliche Hände. Die Ärztin oder der Arzt muss Sie selbst beraten, am besten die Person, die Sie später operiert. Gespräch über Ihre Vorgeschichte, Untersuchung, Diagnose und Aufklärung über Risiken darf kein anderes Teammitglied übernehmen. Das haben die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung 2008 festgelegt.
Eine Terminkraft, eine Kosmetikerin oder ein Berater ohne ärztliche Ausbildung darf diese Aufgaben nicht erledigen. Diese Personen dürfen höchstens mit Ihnen einen Fragebogen zur Vorgeschichte durcharbeiten, den die Ärztin danach im Gespräch überprüft. Welche Schritte der Operation nur ein Arzt ausführen darf, steht im Artikel Wer darf eine Haartransplantation durchführen.
Was passiert beim ersten Termin?
Ein guter erster Termin ist mehr als ein Verkaufsgespräch. Nach der Leitlinie des Verbands Deutscher Haarchirurgen untersucht der Operateur Kopfhaut und Entnahmestelle persönlich, ordnet Ihren Haarausfall ein und gleicht Ihre Wünsche mit dem Ergebnis ab, das realistisch möglich ist. Dabei schaut er auch, wie dicht das Haar am Hinterkopf steht. Davon hängt ab, wie viele Haarwurzelgruppen die Praxis verpflanzen kann.
Fragen zu Ihrer Vorgeschichte
Vorerkrankungen, Medikamente wie Blutverdünner, Haarausfall in der Familie und bisherige Behandlungen.
Untersuchung der Kopfhaut
Die Ärztin ordnet ein, wie weit der Haarausfall fortgeschritten ist, meist durch Ansehen und Abtasten.
Blick auf den Hinterkopf
Sie prüft Dichte und Elastizität der Haut an der Entnahmestelle, oft mit einer Speziallupe für die Haut (Dermatoskopie).
Abgleich Ihrer Erwartungen
Was mit den vorhandenen Haarwurzeln realistisch möglich ist, auch wenn eine zweite Sitzung nötig wäre.
Aufklärung im Gespräch
Die Ärztin erklärt Verfahren, Risiken und Alternativen mündlich und persönlich.
Schriftliche Kostenaufstellung
Sie bekommen schriftlich, was die Behandlung voraussichtlich kostet, bevor Sie etwas unterschreiben.
Das Aufklärungsgespräch soll nach der Leitlinie mindestens 30 Minuten dauern. Wann genau die Aufklärung stattfinden muss, sagt das Gesetz nicht. Der Verband Deutscher Haarchirurgen empfiehlt mindestens 24 Stunden Abstand zwischen dem Gespräch und der Operation, damit Sie in Ruhe entscheiden können.
Was kostet der erste Termin beim Haarchirurgen?
Was ein Arzt für Beratung und Untersuchung berechnen darf, regelt die Gebührenordnung für Ärzte, kurz GOÄ. Sie steht auf jeder Arztrechnung. Jede Leistung hat dort eine Nummer und eine Punktzahl, und ein Punkt ist 5,82873 Cent wert. Die Ärztin darf den Grundbetrag mit einem Faktor zwischen 1 und 3,5 vervielfachen. Üblich ist höchstens das 2,3-Fache. Für einen höheren Faktor braucht sie besondere Umstände und muss ihn begründen. Daran müssen sich grundsätzlich auch Praxen halten, die vor allem ästhetisch behandeln.
Die Beträge liegen je Leistung zwischen 4,66 Euro (einfacher Satz) und 32,64 Euro (3,5-facher Satz). Ein Beratungsgespräch ab 10 Minuten kostet höchstens 30,60 Euro, eine Untersuchung der Haut höchstens 32,64 Euro. Im üblichen Rahmen sind es 20,11 und 21,45 Euro.
| Leistung auf der Rechnung | Punkte | Preis: einfach / üblicher Höchstsatz / 3,5-fach |
|---|---|---|
| Nummer 1: Beratung, auch am Telefon | 80 | 4,66 / 10,72 / 16,32 Euro |
| Nummer 3: eingehende Beratung, mindestens 10 Minuten | 150 | 8,74 / 20,11 / 30,60 Euro |
| Nummer 5: Untersuchung, die sich auf Ihre Beschwerden bezieht | 80 | 4,66 / 10,72 / 16,32 Euro |
| Nummer 7: vollständige Untersuchung der Haut | 160 | 9,33 / 21,45 / 32,64 Euro |
| Nummer 750: Untersuchung der Haut mit der Speziallupe, je Sitzung | 120 | 6,99 / 16,09 / 24,48 Euro |
Ein Gespräch ab 10 Minuten mit Untersuchung der Haut kostet im üblichen Rahmen 41,56 Euro. Ein kurzes Gespräch nach Nummer 1 mit Hautuntersuchung und Speziallupe kostet zusammen 48,26 Euro. Berechnen darf die Praxis nur, was die Ärztin tatsächlich geleistet hat. Ein reiner Pauschalpreis ist nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs in der Regel unwirksam. Mehr dazu steht im Artikel Haarklinik oder Praxis.
Reicht eine Beratung per Foto?
Viele Praxen bieten vorab eine Einschätzung per Foto an, oft über einen Messenger. Das ist erlaubt. Die Berufsordnung der Ärzte lässt Beratung über Kommunikationsmedien zu, wenn sie im Einzelfall ärztlich vertretbar ist und Sie vorher über die Besonderheiten aufgeklärt wurden.
Trotzdem bleibt eine Foto-Beratung nur eine erste Einschätzung. Wie dicht Ihr Haar am Hinterkopf steht und wie elastisch die Kopfhaut ist, lässt sich auf einem Foto nicht verlässlich messen. Genau das muss der Operateur nach der Leitlinie aber persönlich untersuchen. Praxen sollten die Fotoberatung deshalb höchstens als Vorfilter nutzen, etwa um Ihnen eine weite Anreise zu ersparen, und das offen sagen.
Was Sie zum ersten Termin mitbringen
Je vollständiger Ihre Unterlagen sind, desto genauer kann die Ärztin Ihren Fall einschätzen.
- Eine aktuelle Medikamentenliste, vor allem mit Blutverdünnern, Haarwuchsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln.
- Befunde zu Ihrem Haarausfall, zum Beispiel vom Hautarzt, mit Laborwerten, falls vorhanden.
- Fotos früherer Frisuren oder von dichterem Haar, wenn der Haarausfall langsam verlief.
- Unterlagen zu früheren Haartransplantationen oder Kopfoperationen, auch von einer anderen Praxis.
- Eine Liste Ihrer Fragen zu Verfahren, Ablauf, Kosten und Nachsorge.
Welche Warnzeichen es beim ersten Termin gibt
Ein Rabatt, der nur am Beratungstag gilt, eine Anzahlung schon im ersten Gespräch oder der Verzicht auf die schriftliche Kostenaufstellung sind Warnzeichen. Sie gelten unabhängig davon, wie freundlich das Gespräch verläuft.
- Lassen Sie sich Namen und Facharzttitel der Person nennen, die Sie berät, und prüfen Sie beides bei der Landesärztekammer.
- Bestehen Sie auf einer schriftlichen Kostenaufstellung, bevor Sie etwas unterschreiben oder anzahlen.
- Nehmen Sie sich Zeit. Verlangen Sie die empfohlenen mindestens 24 Stunden Bedenkzeit, auch wenn ein Rabatt befristet ist.
- Fragen Sie nach dem Namen der Person, die später entnimmt und die Öffnungen setzt, nicht nur nach dem Namen der Praxis.
Häufige Fragen
Darf eine Kosmetikerin oder ein Berater die Erstberatung zur Haartransplantation führen?
Nein, eine Kosmetikerin oder ein Berater ohne ärztliche Ausbildung darf die Erstberatung zu einer Haartransplantation nicht führen. Gespräch über die Vorgeschichte, Untersuchung, Diagnose und Aufklärung muss die Ärztin oder der Arzt selbst übernehmen. Das haben die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung 2008 so festgelegt.
Was kostet eine Erstberatung beim Haarchirurgen?
Ein Gespräch ab 10 Minuten mit Untersuchung der Haut kostet nach der Gebührenordnung für Ärzte im üblichen Rahmen 41,56 Euro. Mit kurzem Gespräch nach Nummer 1, Hautuntersuchung und Speziallupe sind es 48,26 Euro. Für einen höheren Betrag braucht die Praxis eine Begründung.
Reicht eine Foto-Beratung per Messenger als Erstberatung zur Haartransplantation?
Nein, eine Foto-Beratung per Messenger ersetzt die Untersuchung in der Praxis nicht. Sie ist erlaubt, wenn sie ärztlich vertretbar ist. Wie dicht Ihr Haar am Hinterkopf steht, lässt sich auf einem Foto aber nicht verlässlich beurteilen.
Ist eine kostenlose Erstberatung für eine Haartransplantation erlaubt?
Nein, als beworbenes Angebot ist eine kostenlose ärztliche Beratung für eine Schönheitsoperation nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg von 2017 nicht erlaubt. Sie gilt dort als verbotenes Geschenk zu Werbezwecken. Ein normaler Preisnachlass in Geld bleibt erlaubt.
Wie lange sollte die Bedenkzeit zwischen Erstberatung und Haartransplantation mindestens sein?
Der Verband Deutscher Haarchirurgen empfiehlt mindestens 24 Stunden zwischen dem ausführlichen Aufklärungsgespräch und der Operation. Das Gespräch selbst soll mindestens 30 Minuten dauern. Eine feste gesetzliche Frist gibt es nicht.
Welche Unterlagen sollte ich zur Erstberatung beim Haarchirurgen mitbringen?
Bringen Sie eine aktuelle Medikamentenliste, Befunde zu Ihrem Haarausfall, Fotos einer früher dichteren Behaarung, Unterlagen zu früheren Kopfoperationen und eine Liste Ihrer Fragen mit. Damit kann die Ärztin Entnahmestelle und Haarausfall genauer einschätzen, und Sie vergessen im Gespräch nichts.
